Nach Hitzesommer: Keine Mehrheit im Kreistag für landkreisweiten Hitze-Aktionsplan

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Die Auswirkungen der Erderwärmung sind längst auch im Landkreis Germersheim spürbar. Die anhaltenden Hitzewellen und Trockenperioden dieses Sommers haben erneut gezeigt, wie sehr extrem hohe Temperaturen Mensch, Natur und Infrastruktur belasten. Von aufgeheizten Klassenzimmern und hitzebedingtem Unterrichtsausfall über gesundheitliche Risiken für ältere und geschwächte Menschen bis hin zur drängenden Waldbrandgefahr: Der Handlungsbedarf beim Hitzeschutz ist hoch.

​Um den Landkreis vorausschauend für künftige Dürre- und Hitzephasen aufzustellen, hat die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in der jüngsten Kreistagssitzung zwei Initiativen eingebracht:

  1. ​Einen Antrag zur Erarbeitung und Umsetzung eines integrierten, landkreisweiten Hitzeaktionsplanes.
  2. Eine umfassende Anfrage zur Transparenz und zum aktuellen Stand der Waldbrandvorsorge im Kreisgebiet.

Beide Dokumente sind am Ende dieses Berichts zu finden.

Unser Antrag: Konkreter Schutz statt Pflasterpolitik

​Mit unserem Antrag forderten wir die Kreisverwaltung auf, unter Federführung des Gesundheitsamtes und in Abstimmung mit den Fachämtern für Klimaschutz, Bauen und Soziales ein abgestimmtes Schutzkonzept vorzulegen.

​Kernpunkte der Grünen Initiative waren unter anderem:

  • ​Frühwarnsystem & Kommunikation: Eine aktive Weiterleitung der DWD-Hitzewarnungen an die Bevölkerung und verlässliche Informationsketten.
  • ​Schutz vulnerabler Gruppen: Erarbeitung konkreter Notfallpläne und Leitfäden für Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen.
  • ​Klimaresiliente Schulen und Gebäude: Prioritäre Prüfung und Umsetzung von Bepflanzungs-, Beschattungs- und Entsiegelungsmaßnahmen an kreiseigenen Liegenschaften. Damit soll sichergestellt werden, dass Lernen und Arbeiten auch bei extremen Sommer-Temperaturen ohne ständige Kurzstunden oder Hitzefrei möglich bleiben.
  • ​Fördernetzwerke nutzen: Die Einbindung bestehender Förderprogramme des Bundes zur Refinanzierung investiver Hitzeschutzmaßnahmen

Die Debatte im Kreistag und das Abstimmungsergebnis

In der Kreistagssitzung entwickelte sich eine ausführliche Diskussion über die zukünftige Rolle des Landkreises bei der Klimafolgenanpassung.

​Trotz der Dringlichkeit wurde unser Antrag von der Kreistagsmehrheit abgelehnt. Laut Landrat und der Kreisverwaltung gäbe es bereits umfangreiche Maßnahmen in den einzelnen Kommunen sowie Leitfäden der Verwaltung (etwa zum klimagerechten Bauen). Ein umfassendes, zentral koordiniertes Konzept hält die Mehrheit der Anwesenden nicht für notwendig.

Warum wir Grünen im Kreis Germersheim weiter am Thema dranbleiben

Wir bedauern diese Entscheidung sehr. Vereinzelte Leitfäden und punktuelle Gemeindemaßnahmen ersetzen kein kreisweit abgestimmtes Sicherheits- und Gesundheitsnetzwerk. Extreme Hitze ist kein bloßes Komfortproblem, sondern ein ernstes Gesundheitsrisiko und eine Frage der kommunalen Daseinsvorsorge. Als Schulträger steht der Landkreis Germersheim zudem in einer direkten Verantwortung gegenüber Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften.


​Auch wenn die Ablehnung unseres Antrags enttäuscht: Die Debatte hat gezeigt, dass das Thema Klimaanpassung im Kreistag nicht mehr ignoriert werden kann. Wir Grüne werden die Entwicklung in den Schulgebäuden sowie den Fortschritt bei der Waldbrandvorsorge kritisch begleiten und uns weiterhin konsequent für einen effektiven Hitzeschutz im Landkreis Germersheim einsetzen.